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Mietwagen: Tricks der Billiganbieter

Schnäppchen oder nur Lockvogelangebote? Im Internet findet man Mietwagen für beliebte Urlaubsregionen zu Preisen, mit denen man kaum Gewinne machen kann. Die Verleiher vor Ort setzen deshalb auf lukrative Nebengeschäfte. Mit teuren Extras, unfairen Tankregeln und Zusatzversicherungen werden die Kunden zur Kasse gebeten. Nicht selten doppelt. Doch man kann sich davor schützen. WISO macht den Test.

von Claudia Krafczyk

Ein Urlaub wird noch besser, wenn man Land und Leute kennenlernt. Das geht am besten mit dem Mietwagen. Spanien gehört zu den beliebtesten Urlaubsländern der Deutschen. Und wenn es auf die Inseln geht, steht Mallorca auf der Hitliste ganz oben. 35.000 Mietwagen sind dort im Einsatz. Es gibt hunderte von Mietwagenfirmen. Eine unüberschaubare Zahl, wenn man noch die vielen kleinen Straßenvermieter dazu rechnet.

WISO hat für drei Tage fünf Mietwagen bei unterschiedlichen Verleihern zwei Wochen vor Reisebeginn, im Internet über ein Preisvergleichsportal gebucht. Abholstation Flughafen Palma de Mallorca. Neben den regionalen, spanischen Mietwagenfirmen war auch das weltweit arbeitende Unternehmen Hertz mit dabei. Die Unterschiede waren erheblich, vor allen am Abholschalter, beim Service, den Wartezeiten und den Preisen.


WISO-Stichprobe auf Mallorca

Vermieter         Vermittler (Reisegutschein) Preis/3 Tage  Kundenbewertung (max.*****)
OK rent a car   AutoEscape                         24,70 Euro      *
Goldcar            CarDelMar                           27,33 Euro      **
Record             AutoEurope                         23,95 Euro      **
Centauro          AutoEscape                        44,06 Euro      ***
Hertz                Sunny Cars                         69,00 Euro      ****

Quelle: www.billiger-mietwagen.de


"Technisch sind die Autos einwandfrei"

Im Internet findet man Mietwagen schon ab fünf Euro am Tag. Ein Preis den Werkstattmeister Manfred Dötsch für unrentabel hält. „Damit sind noch nicht einmal die Abnutzungskosten gedeckt“, sagt er. Dötsch lebt und arbeitet seit vielen Jahren auf Mallorca und kennt die Unterschiede. Unsere fünf Mietwagen kamen bei ihm auf die Hebebühne. „Technisch sind die Autos einwandfrei, nichts zu beanstanden“. Dagegen fehlte es an der Sicherheitsausstattung. Verbandskasten waren in keinem Wagen drin und nur eine Warnweste. „Es muss für jeden Insassen eine Warnweste im Auto liegen“, bemängelt Dötsch die Ausstattung. Bei Polizeikontrollen könne das 100 Euro Strafe kosten.

Schnäppchenpreise nur Lockmittel

Auf Buchungsportalen im Internet findet man schon Mietwagen ab fünf Euro am Tag. Doch bekommt man das Schnäppchen auch? WISO fragt beim Marktführer unter den Preisvergleichsportalen, billiger-mietwagen.de, nach. 2014 wurden darüber an 4,5 Millionen Miet-Tagen Autos vermittelt. Die Lockpreise stehen deutlich hervorgehoben, ganz vorne auf der Startseite. Absoluter Tiefstpreis drei Euro am Tag. Soll man das buchen? „Ich würde Mietwagen, die weniger als zehn Euro am Tag kosten, nur mit Vorsicht genießen“, gibt uns Frieder Bechtel als Faustregel mit auf den Weg. Sind die Preise extrem günstig, gibt es immer auch Haken. Zum Beispiel bei der Tankregelung und den Verkaufsversuchen von Versicherungen

Shuttleservice zum Auto

Ein weiterer Haken: Die Mietstationen von Billiganbietern liegen oft außerhalb vom Flughafen. Die Standkosten sind im Industriegebiet deutlich günstiger. Um das Auto abzuholen, muss man in der Regel einen Shuttlebus nehmen. „Das kann mit der ganzen Familie und quengelnden Kindern nach der Reise sehr nervig und zeitaufwendig werden“, weiß Bechtel durch Kundenbefragungen. Auch an den Schaltern außerhalb sind die Schlangen oft lang. Es gibt zu wenig Personal und man muss zudem aus abgelegenen Orten wieder zurück zur Hauptstraße finden.

WISO hat die Shuttlebusstation lange suchen müssen. Die Zubringerbusse halten in der Parkzone gerade da, wo Platz ist. Außerdem findet man die Busse nicht, wie erwartet vor dem Ankunftsbereich, sondern auf der Abflugebene. „Ich habe bereits nach dem Zoll auf Abholpersonal, Schilder und Wegweiser geachtet, aber nichts gefunden“, sagt Hildegard Umlauf. Am Ende habe sie sich mühsam durchfragen müssen.

Teure Extras

Gerade bei Billiganbietern muss man mit zusätzlichen Kosten rechnen. „Über die Extras wird viel Geld verdient“, sagt Frieder Bechtel. Soll ein zweiter Fahrer eingetragen werden, ist man im Schnitt mit fünf Euro pro Tag dabei. Ein Kindersitz kostet etwa sieben und ein Navigationsgerät bis zu 15 Euro. „Am besten man nimmt den Kindersitz von zuhause mit oder nutzt das GPS-System vom Smartphone zum Navigieren“, sagt Bechtel.

Auch jede Umbuchung vor Ort kann richtig Geld kosten. Dazu zählt ein Upgrade, die eine Verbesserung der Fahrzeugklasse bewirkt, etwa von der kleinen auf die mittlere Kategorie. Bechtels Erfahrung nach sei dies vor allen in den USA ein beliebter Trick. Man erhalte ein Angebot für ein größeres Auto, kostenfrei. Dass sich dadurch die Kosten für die Versicherung erhöhen, bemerkt man im Zweifel erst auf der Abrechnung.


Tipp: Achten Sie bei Online-Buchungen auf die Kundenbewertungen. Dort berichten Kunden von ihren Erfahrungen mit Mietwagen und Verleihfirmen. Im Idealfall erhält man dort wertvolle Informationen und gute Tipps.


Unfaire Tankregelung

Wer mit den Benzinkosten nicht reinfallen will, sollte in der Suchmaske der Buchungsportale im Internet die Filterfunktion nutzen. Dort lassen sich z. B. Anbieter ausschließen, die ihren Kunden die erste Tankfüllung verkaufen wollen. Zudem fällt dafür noch eine üppige Servicegebühr an. Auch ist der vom Verleiher berechnete Benzinpreis häufig höher, als der an der Tankstelle für Selbsttanker.
Beispiel: WISO hat bei Record car für acht Euro/Tag gemietet. Dazu kamen 62 Euro Tankfüllung und 24 Euro Servicegebühr. Allein dadurch verteuert sich der Gesamtpreis für den Mietwagen (Tankvolumen 40 Liter, Benzinpreis 1,32 Euro/Liter) um 136 Prozent.

 

"Voll/voll" oder "voll/leer"

Bei der „voll/leer“ Regelung kann das Fahrzeug am Ende zwar mit leerem Tank zurückgegeben werden, doch wer schafft das schon? Nur Hartgesottene trauen sich auf den letzten Tropfen zur Mietwagenstation zurück zu rollen. Die große Mehrheit verschenkt etliche Liter. Das hat auch WISO durch Umfragen an der Rückgabestation erfahren.

„Wir raten zur voll/voll-Regelung“, sagt Bechtel. Dann übernimmt man den Mietwagen voll und gibt ihn auch mit vollem Tank wieder zurück. Man zahlt nur das Benzin, was man auch wirklich verbraucht hat. Nur in diesem Fall behält man die Kontrolle. Überlässt man das Volltanken dem Vermieter, kann das Benzin schon mal das Dreifache des Normalpreises kosten.

Einige Vermieter erstatten den Rest im Tank nach der sogenannten Achtel-Regelung zurück. Die Tankfüllung wird in acht Teilabschnitte unterteilt. Wenn man den Wagen nicht leer zurückgibt, erhält man einen Anteil zurück. Das hat nur bei Goldcar geklappt. Die Servicegebühr von 25 Euro war jedoch verloren.


Selbst voll tanken - auch in Deutschland

Den Mietwagen sollte man vor der Abgabe besser selber volltanken. Dazu rät die Verbraucherzentrale NRW nach einer Stichprobe bei sieben bundesweit tätigen Autovermietern. Nur in einem Fall wurden beim Nachtanken marktübliche Benzinkosten und eine moderate Servicegebühr berechnet. So bewegte sich bei den sechs anderen Anbietern der Preis für 40 Liter Kraftstoff zwischen 140 und 190 Euro. Der Großteil forderte rund vier Euro pro Liter, also insgesamt etwa 160 Euro.


Zusätzliche Versicherungen

Besonders ärgerlich: Vor Ort wird bei unserer WISO-Stichprobe an vier Schaltern versucht, uns eine zusätzliche Versicherung aufzuschwätzen. Bei Goldcar, Record, ok car und Centauro. Die Argumentation bei Goldcar: die Versicherung, die wir in Deutschland abgeschlossen haben, sei nicht ausreichend. Wir sollten die „Super Relax“ Versicherung kaufen, dann bräuchten wir keine Kaution über die Kreditkarte buchen, müssten keine Vorauszahlung für entstandene Schäden leisten und die Pannenhilfe sei rund um die Uhr ohne Zusatzgebühren drin. Die Versicherung sollte bei Goldcar für drei Tage 52,65 Euro kosten. Bei den anderen Vermietern lagen die Kosten zwischen 40 Euro und 69 Euro. Das sei abhängig von der Mietdauer und Fahrzeugklasse. Ganz schön happige Aufpreise auf das ursprüngliche Schnäppchenangebot für unseren Kleinwagen aus dem Internet. Wir blieben hart, kauften keine zusätzliche Versicherung!

Man hat uns Angst gemacht. Es wurde eine Liste mit den Ausschlüssen vorgelegt, die unsere Versicherung nicht abdecken würde. Angeblich sei in unserer Versicherung Glas- und Reifenschutz nicht enthalten. Z. B. würde uns ein verlorener Schlüssel 250 Euro kosten. Die Konsequenz nach der Weigerung eine weitere Versicherung abzuschließen: unfreundliche Abfertigung und die Forderung einer Mietkaution von 950 Euro von der Kreditkarte.

Tipp: Achten Sie bei der Mietwagenabholung darauf, dass Ihr Konto ausreichend gedeckt ist. Je nach Fahrzeugtyp kann die Kaution bis zu 3000 Euro betragen.


Die Fallen auf einen Blick

•    Unfaire Tankregelung: Kauf der ersten Tankfüllung, plus Servicegebühr
•    Überteuerte zusätzliche Versicherungen
•    Hohe Sicherheitsleistung via Kreditkarte
•    Teure Extras


Viele Vermittler – ein Vertrag

Zurück in Deutschland fragt WISO beim Vermittler und Broker AutoEurope nach, von dem wir zu Record car vermittelt wurden. Auch Record car versuchte uns eine Versicherung zu verkaufen, obwohl wir bereits eine im Internet abgeschlossen hatten. Die Bestätigung dafür erhielten wird auf dem Reisegutschein, dem sogenannten Voucher, und zwar von AutoEurope. Den legten wir am Mietwagenschalter auf Mallorca vor.


Was tun Mietwagen-Broker?

Broker sind Preismacher zwischen Mietwagenfirmen und Buchungsportalen im Internet. Zu den ausgehandelten Preisen erscheinen die Angebote z. B. bei billiger-mietwagen, check24, holidayautos und anderen Reisebuchungsportalen im Internet. WISO buchte Goldcar über den Vermittler/Broker CarDellMar, für Record car agierte autoeupoe, für Centauro autoescape und für Hertz Sunny Cars. Diese Broker fungierten in diesen Fällen as Vermittler für unseren Drei-Tage-Trip auf Mallorca.


Für den Kunden ist das System schwer zu durchschauen. Gebucht wird im Internet über ein Preisvergleichsportal, den Vermittlungsvertrag und Voucher/Reisegutschein erhält er jedoch vom Vermittler/Broker und zahlt an ihn auch Miete und Versicherung. Den eigentlichen Vertrag für den Mietwagen erhält man allerdings erst an der Mietwagenstation am Urlaubsort. „Dort soll der Kunde dann unter fadenscheinigen Gründen noch Zusatzleistungen kaufen, die er bereits hat“, sagt Bechtel. Ein lukratives Zusatzgeschäft, an dem die Branche zwei Mal verdienen will. Die Zeche zahlt am Ende immer der Kunde.


WISO-Tipps

•    Seriöse Preise: je nach Saison ab 10 bis 20 Euro/Tag
•    Faire Tankregelung: voll/voll statt voll/leer
•    Sinnvolle Versicherung: Vollkasko ohne Selbstbeteiligung
•    Faustregel Versicherungskosten: ca. 10-15 Prozent vom Mietpreis bei Buchung in
     Deutschland im Internet
•    Kreditkarte dient als Sicherheit: für Kontodeckung sorgen


Nachgehakt: Wie vor Abzocke schützen?

Tobias Ritter ist Vertriebsleiter von AutoEurope. Wir wollen wissen wie man sich vor der Abzocke schützen kann. „Der Kunde muss am Schalter Nein sagen können und hart bleiben“, sagt er. Zudem empfiehlt es sich das Kleingedruckte durchzulesen. Da stehe alles drin, was man hat und wie man sich verhalten soll, wenn Druck gemacht wird. Bei AutoEurope finden wir die Verhaltensregeln allerdings erst ganz hinten im seitenlangen Kleingedruckten. Nicht sehr kundenfreundlich, finden wir. „Das kann man besser machen“, sagt Tobias Ritter schuldbewusst. Man arbeite daran, dass die wichtigen Informationen zukünftig ganz vorne auf der ersten Seite stehen.

Auch Goldcar fragten wir nach dem Grund für den Verkaufsdruck am Schalter. Adrian Alliot, Direktor im Unternehmen, erklärt uns auf schriftliche Anfrage, dass deutsche Kunden sehr sicherheitsorientiert seien und die Mehrheit auch die zusätzliche Versicherung kaufen würden. Dass seine Mitarbeiter für den Verkauf von Versicherungen auch eine Provision erhalten, gibt er erst auf Nachfrage zu. „Unsere Philosophie basiert auf Teamarbeit und Motivation. In diesem Sinne profitieren unsere Mitarbeiter durch Anreizprogramme und Provisionen. Dies ist nicht nur bei Goldcar, sondern bei allen anderen Vermietern auch der Fall“, heißt es in dem Schreiben an WISO.

Frieder Bechtel empfiehlt nur die Versicherungsleistung zu kaufen, die man im Ernstfall benötigt: „Wir raten zur Vollkaskoversicherung ohne Selbstbeteiligung“, sagt er. Dabei sei die Abrechnung wie bei einer privaten Auslandsreisekrankenversicherung geregelt. Man trete in Vorlage im Rahmen der Selbstbeteiligung. Dieselbe behalte die Mietwagenfirma im Schadensfall ein. Das Geld für den Schaden und auch für die einbehaltene Selbstbeteiligung erhält man dann von Vermittler/Broker wieder zurück.

Schwarze Schafe strafen

Die Experten sind sich einig, alle Billiganbieter könne man nicht aus den Portalen entfernen. Die Nachfrage nach Mietwagen sei in den Urlaubsorten, vor allem in der Hochsaison, enorm. „Wir haben jedoch damit begonnen den auffälligen Verleihern, mit vielen Kundenbeschwerden weniger Mietverträge zu vermitteln“, sagt Ritter. Dadurch habe sich schon bei der Tankregelung viel getan. Man könne jetzt auch eine voll/voll-Regelung buchen. Nur Thorsten Lehman, Geschäftsführer beim Vermittler und Broker Sunnycars ist konsequent: „Wir haben uns entschieden auf die Billiganbieter mit dubiosen Regelungen und Geschäftspraktiken zu verzichten“.

WISO-Fazit: Schnäppchen-Angebote bei Billiganbietern sind nur etwas für Hartgesottene. Man muss warten können, Shuttlebusse mögen und vor allem eisern bleiben, damit das Schnäppchen mit Zusatzversicherung und teuren Extras nicht zur Kostenfalle wird.

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